Im Reallabor Hamburg (RealLabHH) wird innerhalb verschiedener Teilprojekte die Mobilität von morgen im Hier und Jetzt einer Metropole erprobt. Dazu haben sich das Technologieunternehmen Continental, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH), das Institut für Verkehrssystemtechnik des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.), die Prüfgesellschaft DEKRA Automobil GmbH sowie das Technologieunternehmen EasyMile GmbH in einem Projekt zusammengeschlossen, um autonomes, fahrerloses Fahren auf die Straße zu bringen. Ab August 2021 soll das historische Villenviertel in Bergedorf zum Testgebiet für den automatisierten On-Demand-Shuttleservice werden.


 

Hamburger Stadtteil Bergedorf als Vorreiter für den Norden

Der Hamburger Stadtteil Bergedorf bietet die idealen Bedingungen, um das autonome Fahren auf Herz und Nieren zu testen. Die suburbane Region mit rund 36.000 Einwohnern muss einer hohen Nachfrage nach individueller und lückenloser Mobilität nachkommen. Zudem soll der Stadtteil noch besser an die S-Bahn angebunden werden. Das schon heute sehr gut an den ÖPNV angebundene Bergedorf wird durch den zusätzlichen Service Lücken auf der ersten und letzten Meile zwischen Wohnort und der nächsten Haltestelle des ÖPNV schließen.

 

So funktioniert das Mitfahren im autonomen Shuttle

Im Rahmen des Forschungsprojektes Reallabor Hamburg kommen drei hochautomatisierte EZ10 Gen3 Shuttles des Herstellers EasyMile zum Einsatz. Das Technologieunternehmen hat die meisteingesetzten Shuttles weltweit. Von August bis Oktober 2021 werden sie mit 18 km/h durch Bergedorf fahren. Die Fahrzeuge bieten Platz für 12 Fahrgäste sowie eine Fahrzeugbegleitung der VHH. Diese überwacht die automatisierte Fahrt und kann bei Bedarf ins Geschehen eingreifen.

Die Shuttles werden in einem On-Demand-Service über eine App buchbar sein – also dann, wenn ein Fahrgast sie nutzen möchte. Das Institut für Verkehrssystemtechnik des DLR stellt die Software zum Disponieren der bedarfsgesteuerten Shuttles zur Verfügung. Außerdem erforscht das DLR, welche neuen Anforderungen aus Sicht der Nutzer und der Mitarbeiter*innen der Leitstelle an den On-Demand-Betrieb mit selbstfahrenden Shuttles und flexiblen Haltepunkten bestehen und wie das System entsprechend nutzerfreundlich gestaltet werden kann.

Continental transferiert industrialisierte Produkte in die autonomen Shuttles: Bremstechnologie, Sensoren zur Umfeld-Wahrnehmung und Positionsbestimmung sowie digitale Mobilitätsdienste. Die Expertinnen und Experten aus dem DEKRA Technology Center begleiten den Zulassungsprozess der Fahrzeuge mit unabhängiger Expertise und sorgen dafür, dass alle Fahrgäste sicher unterwegs sind. Fahrgäste können während des Versuchsbetriebs kostenlos in den Shuttles mitfahren.

 

Über das Projekt RealLabHH

Mit der Übergabe des Förderbescheids an das Projektkonsortium durch den Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, im Juli fiel der Startschuss für das umfassendes Forschungsprojekt, das auf die Initiative der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) zurückgeht.

Unter Leitung der Hamburger Hochbahn AG entwickeln rund 30 Projektpartner im RealLabHH digitale Mobilitätslösungen in einem gemeinsamen Ökosystem in Hamburg und der Metropolregion. Insgesamt 11 Teilprojekte geben Einblicke, welche digitalen Mobilitätslösungen sich unter realen Bedingungen bewähren können, und Menschen dabei einen echten Service bieten.

Die Ergebnisse der Projekte werden auf dem ITS-Weltkongress 2021 präsentiert, dem größten Kongress für intelligente Verkehrssysteme und -dienste, wobei sie gleichzeitig als Handlungsempfehlung für eine umwelt- und klimafreundliche Neugestaltung künftiger Mobilitätssysteme dienen.

Das RealLabHH-Projekt läuft bis Ende 2021 und wird vom BMVI (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) mit rund 20,5 Millionen Euro gefördert.

 


Foto: Hochautomatisiertes Shuttle EZ10 Gen3 von EasyMile – Copyright: EasyMile