Wie können wir in Zukunft nachhaltiger, sicherer, komfortabler und auch zuverlässiger unterwegs sein? Das wird gerade in Hamburg erforscht, und zwar nicht nur in der Theorie sondern auch ganz praktisch im täglichen Straßenverkehr. Insgesamt elf Projekte sind in und um die Hansestadt geplant oder bereits gestartet. An zwei dieser sogenannten Reallabors ist auch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) beteiligt.


 

Neue Wege der Mobilität

In den elf Reallabors werden unterschiedliche Aspekte der Mobilität erprobt, so wird unter anderem das autonome Fahren getestet und eine App entwickelt, über die Verkehrsmittel verschiedener Hamburger Anbieter gebucht werden können. Es geht außerdem um Car-Sharing, E-Roller als Dienstwagen-Ersatz und vieles mehr.

Alle Projekte stehen unter der Überschrift RealLabHH – also Reallabor in der Freien und Hansestadt Hamburg. Beteiligt sind rund 30 Partner. Neben der VHH sind das unter anderem die Volkswagen AG, die Deutsche Telekom, SAP, die TU Hamburg, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder die DEKRA. Die Leitung des Reallabors liegt bei unserem HVV-Partner Hochbahn.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert das RealLabHH mit 20,5 Millionen Euro. Denn die Bundesrepublik Deutschland hat es sich zum Ziel gesetzt, Treibhausgase zu reduzieren. Der Verkehrssektor kann und muss hier einen wichtigen Beitrag leisten. Wie genau dies funktionieren kann, wird im RealLabHH erforscht.

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Ergebnisse des RealLabHH beim ITS Weltkongress

Die Ergebnisse der verschiedenen Reallabor-Projekte sollen im Rahmen des ITS-Weltkongresses vorgestellt werden, dem weltweit größten Kongress für intelligente Verkehrssysteme. Dieser findet vom 11. bis 15. Oktober 2021 in Hamburg statt, und zwar nicht nur in den Hamburger Messehallen, sondern auch auf den Straßen der Metropolregion, wo die verschiedenen Mobilitätsprojekte von jedem ausprobiert werden können. Denn auch das Feedback der Fahrgäste ist für alle Projektpartner wichtig.

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Die Reallabor-Projekte

 

Mobilitätsplattform: Alles in einer App

Viele Menschen in Hamburg kennen oder nutzen bereits die hvv switch-App. Das Ziel dieses Projekts ist es, alle relevanten Hamburger Mobilitätsdienste in einer App zu versammeln. Seit Sommer 2020 ist neben den HVV-Angeboten auch der On-Demand-Shuttle MOIA integriert. In diesem Jahr sollen dann noch weitere Partner wie StadtRAD, Anbieter von E-Scootern und das Carsharing „sixtSHARE“ dazukommen. Auch eine Integration unseres On-Demand-Shuttle-Angebots ioki Hamburg ist geplant.

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Dateninteraktion und Souveränität: Von Hamburg nach Berlin – was ist das günstigste und was das schnellste Reisemittel?

Das Projekt soll zeigen, wie sich regionale Plattformen (etwa Apps wie hvv switch) mit überregionalen Partnern vernetzen können. So haben Nutzer*innen die Möglichkeit, in einer App nachzuschauen, wie sie entweder besonders komfortabel, sehr günstig oder so schnell wie möglich zum Ziel kommen – zum Beispiel von Hamburg nach Berlin. Ein Szenario wäre es, mit MOIA zum Hauptbahnhof zu fahren, dann weiter mit dem ICE nach Berlin und dort mit der U-Bahn oder mit dem E-Scooter zum Ziel.

⇒ Mehr zu hvv switch

 

Mobilitätsbudget: Bus, Bahn, Carsharing und StadtRAD statt Dienstwagen

Das Projekt untersucht, wie sich das Mobilitätsverhalten berufstätiger Menschen langfristig wandeln könnte und welche Folge die Rolle des Arbeitgebers dabei spielt. Die Idee: Unternehmen stellen Mitarbeiter*innen ein individuelles monatliches Mobilitätsbudget für geschäftliche und private Fahrten zur Verfügung. Mitarbeiter*innen können dann zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wählen – von ÖPNV über Fernverkehr und StadtRAD bis hin zu Sharing-Diensten.

 

Autonomes Fahren: Mit dem Shuttle die letzten Meter zur Haltestelle gebracht werden

Würden mehr Menschen im städtischen Umland Bus und Bahn nutzen, wenn sie zu einem Wunschzeitpunkt zur nächsten Haltestelle gefahren werden? Um das herauszufinden, werden autonome Shuttles mit Begleitpersonal der VHH im Villenviertel in Bergedorf getestet. Anwohner*innen bestellen sich per App dann ein Shuttle, das sie abholt, wenn sie es brauchen. Der Testbetrieb ist für Sommer 2021 geplant und kostenlos.

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On-Demand im ländlichen Raum: ioki-Elektroshuttles für Pendler

Sich vom Elektroshuttle zum Wunschzeitpunkt abholen lassen, um zur nächsten Haltestelle von Bus oder Bahn zu kommen – das ist interessant für Pendler aus dem ländlichen Umland einer Metropole. Seit Dezember 2020 verbessern gleich mehrere On-Demand-Shuttleverkehre die Anbindung nach Hamburg: Die VHH ist mit ioki Hamburg in der Stadt Ahrensburg sowie in der Region Brunsbek, Lütjensee und Trittau beteiligt.

⇒ Mehr zu ioki im Kreis Stormarn

 

Warenmobilität Mikrodepot: Kleine Minilager statt jeder Menge Lieferverkehr

Sogenannte Mikrodepots sollen Lieferverkehre und damit verbundene Emissionen in Innenstädten reduzieren. Die Mikrodepots dienen als Umschlagpunkte, die von verschiedenen Logistikdienstleistern und regionalen Einzelhändlern gemeinschaftlich genutzt werden. Lieferungen werden hier gebündelt und zum Beispiel per Lastenfahrrad klimaneutral zum Endkunden gebracht. Das erste Depot ist gerade eröffnet worden.

 

Vernetzte Vulnerable Road Users: Warnung vor Unfällen für E-Bike-Fahrer

Neben Fußgänger*innen und Radfahrer*innen finden sich immer mehr Nutzer*innen von E-Scootern und Elektro-Fahrrädern im Straßenraum. Genau diese Verkehrsteilnehmer*innen sind im Vergleich zu Menschen im Auto, Bus oder LKW einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt. Im Englischen nennt man diese Gruppe „vulnerable road user – VRU“. In diesem Projekt sollen genau diese Verkehrsteilnehmer*innen vor einer Kollision oder einem Hindernis über das eigene Smartphone gewarnt werden. Dafür müssen sie genau lokalisiert werden. Im Gegensatz zu Autofahrer*innen haben Fahrer*innen von E-Scootern oder Elektro-Fahrrädern das Smartphone oft an unterschiedlichen Stellen, etwa am Lenker oder in der Hosentasche. Das erschwert die Lokalisierung. Deshalb sollen auch Sensordaten von Fahrzeugen in der Umgebung, etwa von Kameras und Laserscannern, mit einbezogen werden. Eine erste Demo soll im Sommer 2021 entstehen.

 

Digitales Andreaskreuz: Mehr Sicherheit an Bahnübergängen

In diesem Projekt soll digitale Technik genutzt werden, um Gefahrensituationen an Bahnübergängen zu vermeiden. Dafür werden Bahnübergang und Autofahrer*innen mit einer Funktechnologie vernetzt. Ein erster Feldversuch ist für den Frühling 2021 geplant.

 

Dialogstrategie: Die Meinung aller ist gefragt

Das RealLabHH erforscht Techniken für die Mobilität von Morgen. Deshalb sind besonders diejenigen gefragt, die die Technik in Zukunft nutzen werden. Die Projektpartner wollen die Wünsche, Bedürfnisse und Fragen aller Menschen erfassen und für die weitere Entwicklung nutzen. Helfen sollen dabei Workshops und ein sogenanntes Zuhörmobil, das ab 2021 in Hamburg unterwegs sein wird.

 

Servicedesign und Simulation: Alle Erkenntnisse aus den Projekten werden genutzt

Im abschließenden Reallabor werden die Erkenntnisse aus allen Projekten gebündelt und analysiert, mit dem Ziel, diese in die Praxis umzusetzen. Denn alle Reallabors sollen dazu beitragen, das Mobilitätsangebot in Zukunft zu verbessern.

 


Foto: Shuttles von EasyMile werden im Projekt zum autonomen Fahren eingesetzt. Sie werden 2021 im Villenviertel in Bergedorf unterwegs sein.