Für die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) ist das Thema Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung. Einer Vorgabe des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg folgend, beschafft die VHH seit 2020 ausschließlich emissionsfreie Busse für Hamburg. Nach der Erprobung verschiedener Antriebstechnologien durch die VHH und ihre Partner haben wir uns für eine Umstellung unseres Unternehmens auf Elektromobilität entschieden. Unmittelbar sind Elektrobusse natürlich eine umweltfreundlichere Alternative zu Fahrzeugen, die mit fossilen Brennstoffen angetrieben werden. Doch eine Frage beschäftigt uns hier als Unternehmen: Ist der Einsatz von Elektrobussen auch langfristig nachhaltig im Hinblick auf die Produktion und das Recycling der Fahrzeugbatterien?

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat im Januar 2020 einen Faktencheck zu Batterien für Elektroautos veröffentlicht. Hier geht es um die Frage, ob Elektromobilität der Schlüssel zu einer nachhaltigen Mobilität ist.


 

Faktencheck zu E-Batterien

Es steht fest, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch viel passieren muss, damit die Batterien für Elektrofahrzeuge wirklich nachhaltig produziert und verwertet werden können. Wir stehen hier erst am Anfang einer Entwicklung, die technische, ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Aspekte umfasst.

 

Die wichtigsten Fragen zu Batterien für Elektrobusse im Überblick

 

1) Wie ist die Umweltbilanz von E-Fahrzeugen?

Aktuelle E-Fahrzeuge weisen über ihre gesamte Nutzungsdauer eine bessere Ökobilanz auf. Es ist aber dringend notwendig, dass die Batterieproduktion in Zukunft energieeffizienter wird und ein geschlossener Ressourcen-Kreislauf entsteht. Das bedeutet, dass das Recycling verbrauchter Fahrzeugbatterien verbessert werden muss, damit die Rohstoffe, wie z.B. Seltene Erden, in neuen Batterien wieder genutzt werden können. Natürlich müssen E-Fahrzeuge auch mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen betrieben werden. Das ist bei der VHH bereits heute der Fall.

 

2) Wie können die Auswirkungen der Batterieproduktion verbessert werden?

Für jede Art von Antriebstechnologie müssten Rohstoffe gewonnen und technische Komponenten hergestellt werden. Das gilt für die Gewinnung von Erdöl und die Herstellung von Verbrennungsmotoren ebenso wie für die Gewinnung von Rohstoffen für E-Batterien und die Herstellung dieser. Hier sollen gewisse Standards eingehalten werden, damit die Produktion von E-Batterien in Zukunft keine ökologischen oder sozialen Gefahren mehr mit sich bringt. Die VHH will hier darauf achten, nur mit Produzenten zusammenzuarbeiten, die diese ökologischen und sozialen Standards einhalten. Denn wir sind der festen Überzeugung, dass auch die Herstellung von E-Batterien nachhaltig für Menschen und ihre Umwelt erfolgen muss. Deshalb werden wir in zukünftigen Ausschreibungen von den Fahrzeugherstellern die Einhaltung dieser Standards fordern.

 

3) Wie geht man mit den Rohstoffen für die Batterien um?

Wichtige Rohstoffe für Batterien sind Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Graphit. Diese sind weltweit noch in großen Mengen vorhanden – aber ebenso wie Erdöl sind diese Stoffe nicht nahhaltig. Aus diesem Grund ist es in Zukunft für die Herstellung von Batterien für E-Fahrzeuge besonders wichtig, dass die Recyclingverfahren weiter verbessert werden. Das Ziel ist es, einen Kreislauf der Rohstoffe zu erreichen, so dass vor allem bereits vorhandene Materialien genutzt werden können und Rohstoffe nicht weiter abgebaut werden.

 

4) Wie hoch sind die Kosten für die Batterieherstellung?

Aktuell ist es noch so, dass Elektrobusse einen höheren Anschaffungspreis haben als Dieselbusse. Zum einen liegt das an Angebot und Nachfrage: Weltweit beschaffen erst wenige Unternehmen Elektrobusse, daher werden bisher die Fahrzeuge und natürlich auch die notwendigen Batterien nur in kleineren Stückzahlen produziert. Wenn die Nachfrage nach E-Bussen steigt und Fahrzeughersteller zu einer Großproduktion wechseln können, wird vermutet, dass auch der Herstellungspreis sinken wird. Zum anderen haben auch die Rohstoffe selbst einen Einfluss auf den Preis der Batterien. Daher ist auch aus Kostengründen eine nachhaltige Nutzung der Rohstoffe entscheidend.

 

5) Wie wirkt sich Elektromobilität auf den Arbeitsmarkt aus?

Die Produktion von Batterien sowie die Fahrzeugherstellung wird in Zukunft zunehmend automatisiert. Das bedeutet, dass in der Herstellung von Elektrobussen der Bedarf an Arbeitskräften sinken wird. In anderen Bereichen, die mit Elektromobilität zusammenhängen, wird jedoch der Bedarf an Arbeitskräften steigen, z.B. beim Bau und der Wartung der Ladeinfrastruktur. Die Umstellung auf Elektromobilität führt also zu einem veränderten Arbeitsmarkt, der andere Berufe entstehen lässt.

 

6) Wie wird sich die Leistung der Batterien für E-Fahrzeuge entwickeln?

Die Reichweite von Elektrobussen hat sich in den letzten Jahren bereits deutlich verbessert. Während unsere ersten E-Busse in Blankenese noch tagsüber unterwegs geladen werden müssen, kommen unsere neuen Elektrobusse bereits mit einer Ladung über Nacht auf unserem Betriebshof aus. Um wirklich mit der Reichweite von Dieselbussen mithalten zu können, müssen die Batterien in Elekttobussen aber noch leistungsstärker, kleiner und leichter werden. Die technische Entwicklung zielt zudem darauf ab, dass der Energieverbrauch bei Elektrobussen weiter gesenkt wird.

 

7) Wie stark belastet das Laden der Elektrobusse das Stromnetz?

Im Rahmen des Projektes „Norddeutsche EnergieWende – NEW 4.0“ ist geplant, dass die VHH direkt mit Windstrom aus dem Windpark Curslack versorgt wird. Der Windpark hinter dem Betriebshof Bergedorf gehört zum Energie-Campus des CC4E der HAW – Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Da die Elektrobusse der VHH in der Nacht geladen werden, wird der Strom dann genutzt, wenn üblicherweise eine geringe Nachfrage nach Strom besteht. So kann der Verbrauch gut an die nachhaltige Erzeugung der Energie angepasst werden.

 


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