Wer mit dem Bus durch Hamburgs Osten fährt, wundert sich vielleicht manchmal darüber, dass es hinten im Bus so ruhig ist. Irgendetwas fehlt in einigen Bussen: Es ist der Dieselmotor, denn man sitzt in einem der neuen Elektrobusse der Verkehrsbetriebe Hamburg Holstein GmbH (VHH). Insgesamt 16 dieser Fahrzeuge hat die VHH Anfang des Jahres 2020 in Betrieb genommen und inzwischen sind sie auch täglich im Linieneinsatz. Ob Bergedorf oder Billstedt, ob in den Vier- und Marschlanden oder bis in die Hamburger Innenstadt, in vielen Hamburger Stadtteilen sind die E-Busse der VHH schon unterwegs. 


 

Erkennbar am Namen mit „e“

Parken zwei Busse an einer Haltestelle, muss man schon genau hinsehen, um die E-Busse von den Diesel-Fahrzeugen unterscheiden zu können, denn die Wagen fahren natürlich alle im VHH-Design. Die neuen Elektrobusse tragen aber zusätzlich noch den Schriftzug „elexity“ an den Seiten. Das weist sie als E-Bus aus. Und noch ein weiteres Detail haben diese Busse: Jeder hat einen Namen, der mit „e“ anfängt. Deshalb sagen manche Bergedorfer Busfahrer*innen auch: „Ich war heute mit ‚elise‘ unterwegs.“

Nach den ersten Betriebsmonaten haben sich die Busse im Linieneinsatz bewährt. Bei Fahrgästen und Fahrpersonal kommen sie gut an. Und im täglichen Betrieb haben einige Wagen schon Laufleistungen von bis zu 7.400 Kilometern erreicht.

Natürlich gibt es auch Tage, an denen einzelne Wagen nicht auf Linie fahren. Dann sind diese Fahrzeuge gerade in der Wartung oder werden für Schulungszwecke in der VHH-Fahrschule genutzt, denn selbstverständlich müssen auch alle VHH-Mitarbeiter*innen mit diesen neuen Bussen vertraut gemacht werden. Trotzdem hat die E-Flotte schon fast 70.000 km geschafft.

 

Tests an der Ladeinfrastruktur

Was eher selten vorkommt ist, dass die ganze E-Bus Flotte auf dem Betriebshof in Bergedorf steht und nicht auf Linie fährt. Aber auch das muss sein, denn dann machen die VHH-Ingenieure gerade Tests mit der Ladeinfrastruktur. Das können Last-Tests sein, um zu schauen, ob beispielsweise Kapazitäten und Wirkungsgrade richtig berechnet wurden. Auch die Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit gehört dazu, denn wo hohe Ströme, Funk, Netzwerke und feinste Elektronik zusammenlaufen, darf sich nichts gegenseitig stören.

Mit der Inbetriebnahme dieser Busse hat die VHH an vielen Stellen Neuland betreten, denn es war nicht damit getan, sich einfach ein paar E-Busse zu kaufen und damit loszufahren. Im Vorwege musste eine Infrastruktur aufgebaut werden, die den Einsatz von diesen Fahrzeugen überhaupt erst ermöglicht.

 

Das beinhaltete:

  • Eine Erweiterung des Stromnetzanschlusses für den Betriebshof Bergedorf, um später über 100 Busse in der Nacht mit Energie versorgen zu können. Die E-Busse fahren tagsüber den ganzen Dienst mit ihrer Batterieladung und „tanken“ nachts Öko-Strom.
  • Bau und Konzeption einer Werkstatt, um E-Busse reparieren zu können, denn sie sind technisch anders aufgebaut als Dieselbusse.
  • Die Schaffung einer Ladeinfrastruktur, die die 10.000 Volt Mittelspannung von außen transformiert und elektronisch gesteuert auf die Ladesäulen verteilt.
  • Ein Lademanagement, damit nicht alle Fahrzeuge gleichzeitig nachts Strom ziehen und das Netz belasten. Der Energiebedarf soll möglichst gleichmäßig verteilt werden und trotzdem sicherstellen, dass alle Busse am nächsten Morgen mit voller Batterie wieder startklar sind.
  • Modifizierung des Betriebsleitsystems, welches bei flexibler Disposition im Tagesbetrieb Reichweiten und Ladezustand permanent überwacht.

 

Die E-Bus Flotte der VHH wächst weiter

Inzwischen lässt sich sagen, dass das Elektrobus-Konzept der VHH aufgegangen ist und nach und nach weitere Betriebshöfe für die Stationierung von E-Bussen vorbereitet werden. Damit wächst auch die E-Bus Flotte der VHH weiter an. Bis Ende des Jahres 2020 werden 17 weitere Solo-Busse und 17 Gelenkbusse erwartet, für die die entsprechenden Ladesäulen in Bergedorf bereits vorbereitet sind.

 


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