Im Juli 2018 wurde die VHH Partner im norddeutschen Verbundprojekt „Norddeutsche EnergieWende – NEW 4.0“. An diesem Projekt sind rund 60 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik beteiligt. Ziel des Projektes ist es, Lösungen für die nächste Stufe der Energiewende zu finden. Die VHH beteiligte sich, da das Projekt auch untersuchte, wie Strom, der mit Windenergieanlagen erzeugt wird, zur Ladung von Elektrobussen genutzt werden kann. Hier geben wir einen kurzen Überblick über das Projekt NEW 4.0.


 

Umweltfreundlicher Strom für Hamburg und Schleswig-Holstein

Das länderübergreifende Großprojekt NEW 4.0 hat es sich zum Ziel gesetzt, Lösungen zu finden, um Hamburg und Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2035 zu 100 % mit regenerativem Strom zu versorgen. Die Stromversorgung soll dabei stabil sein, aber auch kostengünstig. Und natürlich soll der Strom umweltfreundlich produziert werden, um CO2-Emissionen deutlich zu senken.

Neben der Stromversorgung für private Haushalte und Unternehmen, geht es aber auch um Wärmeversorgung und um Mobilität. Ein weiteres Ziel von NEW 4.0 ist es nämlich, dass ca. 50 % des Wärme- und des Mobilitätssektors aus erneuerbaren Energien gespeist werden.

Insgesamt sollen so am Ende etwa 70 bis 80 % der derzeitigen CO2-Emissionen eingespart werden. Bei NEW 4.0 steht der Klimaschutz also im Vordergrund. Das Projekt wird deshalb vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) im Rahmen des Förderprogramms „Schaufenster Intelligente Energie“ (SINTEG) gefördert.

 

Der Norden als Testlabor

Professor Dr. Werner Beba leitet NEW 4.0 als Projektkoordinator. Seiner Meinung nach sind Hamburg und Schleswig-Holstein die optimale Modellregion, um Lösungen für eine zukünftige umweltfreundliche Energieversorgung zu testen. Aktuell gibt es nämlich ein Ungleichgewicht von Erzeugung und Verbrauch von Energie. Einerseits verbraucht die Metropolregion Hamburg sehr viel Energie, da hier sehr viele Menschen leben und zahlreiche Firmen der Industrie angesiedelt sind. Andererseits produziert das Küstenland Schleswig-Holstein besonders viel Windenergie.

NEW 4.0 soll nun Lösungen finden, wie Energie-Erzeugung und Verbrauch optimal aufeinander abgestimmt werden können. „Rein rechnerisch könnten beide Bundesländer schon heute zu 70 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgt werden“, betont Professor Beba.

 

Die Herausforderungen der Energieversorgung

Eine der wichtigsten Herausforderungen zur Energiewende ist, dass eine stabile Stromversorgung sichergestellt werden muss. Das ist gar nicht so leicht, denn Strom aus regenerativen Quellen ist je nach Wetterlage in unterschiedlichem Maße verfügbar. Bei Windenergie wird z.B. zu wenig Strom produziert, wenn kein Wind weht. Wenn aber zu viel Wind weht, ist das auch nicht gut, denn die Frequenz im Stromnetz muss beständig bei 50 Hertz gehalten werden. Damit die Frequenz nicht schwankt, müssen Windenergieanlagen heute noch häufig abgeregelt werden, denn ein Strom-Überschuss kann nicht ins Stromnetz gelangen.

„Deshalb ist es wichtig, den Verbrauch von Strom besser an die Erzeugung der Energie anzupassen, um Stromüberschüsse künftig nicht mehr abzuregeln, sondern sinnvoll zu nutzen“, erklärt Professor Beba. Genau darum geht es im Projekt NEW 4.0. Damit soll Norddeutschland zum Vorbild für andere Regionen in Deutschland und Europa werden.

 

Energie trifft auf Digitalisierung

Das „4.0“ im Projektnamen zur Norddeutschen Energiewende beschreibt die Schwelle zur sogenannten vierten industriellen Revolution: der Digitalisierung. Sie spielt eine wichtige Rolle, denn alle Akteure und Komponenten des Energiesystems müssen intelligent miteinander vernetzt werden. Nur so kann die Erzeugung von Energie und der Verbrauch besser aufeinander abgestimmt werden.

NEW 4.0 soll Wege finden, den Stromexport in andere Regionen zu fördern. Parallel soll auch die sogenannte energetische Selbstverwertung erhöht werden. Das bedeutet, dass lokal erzeugter Strom auch direkt vor Ort genutzt werden soll. Das gelingt etwa durch den Einsatz von Speichertechnologien. Aber auch die industrielle Produktion auf Seiten der Großverbraucher muss flexibler werden. Schließlich sollen auch Möglichkeiten gefunden werden, wie überschüssiger Strom in Wärmeenergie oder Wasserstoff umgewandelt werden kann.

Insgesamt arbeiten die Partner im Rahmen von NEW 4.0 an mehr als 100 Einzelprojekten. Hierzu gibt es acht interdisziplinäre Arbeitsgruppen, in denen sich alle Beteiligten austauschen.

 

Die VHH als Partner im Projekt NEW 4.0

Im Rahmen von NEW 4.0 und SmartCityBergedorf wurde geprüft, ob die Elektrobusse der VHH direkt mit Windstrom aus dem Windpark Curslack versorgt werden können. Der Windpark hinter dem Bergedorfer Busbetriebshof gehört zum Energie-Campus des CC4E der HAW – Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Bei der Prüfung der technischen und regulatorischen Anforderungen wurde die VHH von Stromnetz Hamburg unterstützt.

Leider hat die Untersuchung ergeben, dass zwar eine technisch machbare Lösung vorliegen könnte, allerdings die regulatorischen Hürden so groß sind, dass sich eine Umsetzung nicht lohnt. Daher wird die VHH den Anschluss des Betriebshofs an die Windkraftanlage nicht umsetzen. Das Projekt hat uns und unseren Projektpartnern jedoch viele wertvolle Erkenntnisse ermöglicht, die wir bei unserer weiteren Planung in der Umstellung auf Elektromobilität berücksichtigen können.

 


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