Im Auftrag der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) hat das Institut für Verkehrsplanung und Logistik der Technischen Universität (TU) Hamburg zwei Umfragen zu ioki Hamburg durchgeführt, dem On-Demand Service, der im Sommer 2018 in Osdorf und Lurup gestartet ist. Zum einen handelt es sich um qualitative Interviews, die 2020 mit 22 Nutzer*innen von ioki Hamburg durchgeführt wurden. Zum anderen handelte es sich um eine schriftliche Haushaltsbefragung, an der im Sommer 2021 insgesamt 290 Menschen teilnahmen, die im ioki Hamburg Bediengebiet in Osdorf und Lurup wohnen.


 

Die interviewten Fahrgäste

Die Interviewstichprobe wurde so gebildet, dass alle Altersgruppen repräsentiert waren, von Jugendlichen bis zu Senioren. Als zweites Kriterium wurde der Zugriff auf einen Pkw herangezogen. Auch auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis wurde geachtet. Von den Interviewten waren schließlich 17 Personen bereits vor der Einführung des ioki Hamburg Aufpreises in Höhe von 1,- Euro pro Fahrt beim On-Demand Service angemeldet; fünf hatten sich erst später, also nach April 2019 angemeldet.

Bei ioki Hamburg handelt es sich um ein Angebot der VHH, das in den Hamburger Verkehrsverbund (hvv) integriert ist. Fahrgäste können den Service mit einem gültigen hvv Ticket nutzen, zuzüglich des ioki Hamburg Aufpreises. Die 2020 durchgeführte Umfrage zeigte, dass 15 der 22 interviewten Personen ioki Hamburg mit einer hvv Zeitkarte nutzten, drei nutzten den Service mit einer Einzelfahrkarte und vier Personen verfügten über einen Schwerbehindertenausweis. Dieser berechtigt zur Nutzung des hvv, ein weiteres Ticket ist hier nicht notwendig und der Aufpreis für ioki Hamburg entfällt ebenfalls.

Der überwiegende Teil der Befragten nutzte ioki Hamburg sehr oft: Zehn Fahrgäste fuhren täglich oder fast täglich mit dem Service. Weitere zehn nutzten das Angebot an einem bis drei Tagen in der Woche. Nur zwei Fahrgäste gaben an, ioki Hamburg nur an einem bis drei Tagen pro Monat zu nutzen.

 

ioki Hamburg reduziert die Pkw-Nutzung

Grundsätzlich zeigten die 2020 durchgeführten qualitativen Interviews, dass das On-Demand Angebot von ioki Hamburg einen vielfältigen Einfluss auf die Nutzung eines Pkw als Verkehrsmittel hat. Dieser Einfluss reichte von einem geringeren Bedürfnis sich einen eigenen Pkw anzuschaffen über die verringerte Nutzung des eigenen Pkw oder die Inanspruchnahme von Mitfahrten bis hin zur Abschaffung des eigenen Pkw.

So betonte eine interviewte Person:

„Also ich will sagen, dass ioki dazu beigetragen hat, dass ich auch mein Auto verkauft habe, weil es ist für mich viel zu bequem hier. Warum soll ich da jetzt noch in ein Auto steigen und irgendwo vielleicht an einer S-Bahn hier parken? Das hätte ich bei Regen gemacht, aber so werde ich ja abgeholt. Ich brauche in Hamburg kein Auto und deswegen habe ich es abgeschafft.“

Insbesondere junge Interviewte sahen aufgrund des ioki Hamburg Angebots von der Anschaffung eines eigenen Pkw ab. Eine Person gab im Interview an:

„Ich bin dabei, meinen Führerschein zu machen. Ich mache es jetzt auch, weil, sicher ist sicher, wenn ich irgendwann mal umziehe, also Führerschein finde ich, ist ein Muss. Aber ein Auto brauche ich ehrlich gesagt momentan nicht, weil, erstens habe ich ein [hvv] Ticket, was für mich günstiger ist als ein Auto und zweitens habe ich ioki, sodass ich trotzdem eine sehr gute Anbindung habe.“

Für mobilitätseingeschränkte Personen ging die ioki Hamburg Nutzung nicht nur mit weniger privaten Pkw-Mitfahrten einher, sondern bedeutete auch eine höhere individuelle Eigenständigkeit, wie eine interviewte Person mit Schwerbehinderung berichtete:

„Die Familie muss mich nicht mehr so oft fahren, weil es den ioki gibt.“

Die Frage, ob ioki Hamburg mehr Selbständigkeit ermöglicht, bestätigte die Person:

„Ja, das auf jeden Fall. Das ist auf jeden Fall besser geworden.“

Weiterhin erleichterte ioki Hamburg den Fahrgästen auch die Erledigung von Einkäufen. Insgesamt 16 der 22 Befragten nutzten ioki Hamburg zum Einkauf. Davon setzten sieben Interviewte gezielt auf ioki Hamburg, um die schweren Einkäufe nicht tragen zu müssen. Eine der befragten Personen hierzu:

„Ich bin selber ein bisschen krank, sodass ich nicht so viel tragen kann. Und das [ioki Hamburg] erleichtert einem dann schon vieles.“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei 15 von 22 der Interviewten ein reduzierender Effekt von ioki Hamburg auf die Autonutzung und den Pkw-Besitz erkennbar ist.

 

ioki Hamburg als Teil des hvv

Die Interviews von 2020 zeigten, dass das On-Demand Angebot vor allem als Zubringer zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder für die Mobilität in den Stadtteilen Osdorf und Lurup genutzt wurde, also in diesem Bediengebiet von ioki Hamburg. In der Tendenz war die Nutzungshäufigkeit höher, je häufiger ioki Hamburg als ÖPNV-Zubringer genutzt wurde. Hier zeigte sich in der Befragung auch, dass ioki Hamburg den Zugang zum ÖPNV erleichterte. So wurde etwa von mehreren Personen betont, dass der Service genutzt wird, weil die nächste Bushaltestelle zu weit weg sei und das Laufen dorthin zu beschwerlich, besonders bei schlechtem Wetter. Eine Person hierzu:

„Ich muss nicht erst zum Bus laufen und dann mit dem Bus [fahren], dann müsste ich umsteigen, bis ich dann zur Bahn komme. Also ich setze mich in den ioki, fahre zur Bahn und da fahre ich dann weiter. Das ist natürlich toll. Das ist ein Service, das ist Luxus für mich, weil ich kein Auto habe.“

Die Interviews zeigten weiterhin, dass der ioki Hamburg Aufpreis zusätzlich zum hvv Ticket letztendlich auf Verständnis stieß oder sogar begrüßt wurde. Gelobt wurde die dadurch gesteigerte Verfügbarkeit von ioki Hamburg. Eine Person fasste dies so zusammen:

„Und dank diesem einen Euro finde ich, ist das Fahren viel angenehmer geworden, weil die Leute nicht mehr zum Spaß fahren […] oder Fahrten buchen, die sie dann stornieren. Ich finde, dieser eine Euro ist total gerechtfertigt, weil dadurch der Komfort halt viel mehr wurde.“

Einige Personen betonten auch, dass sie aufgrund der durch den Aufpreis gesteigerten Verfügbarkeit nun sogar häufiger fuhren als vor Einführung des Aufpreises. Dies zeigte sich bereits in der Nutzerbefragung aus dem Jahr 2019 zum Komfortzuschlag.

 

Die schriftlich befragten Personen

Für die Haushaltsbefragung, die im August 2021 durchgeführt wurde und die von den Teilnehmenden online oder postalisch beantwortet werden konnte, wurden Haushalte im ioki Hamburg Bediengebiet in Osdorf und Lurup per Postkarte angeschrieben. Die Auswahl der Zielgruppe erfolgte zum einen unter Berücksichtigung unterschiedlicher sozioökonomischer Indikatoren, zum anderen wurden Bereiche mit unterschiedlichen Wegelängen zur nächsten Bushaltestelle ausgewählt.

Rund 36% der Personen, die an der Haushaltsbefragung teilgenommen hatten, zählten zu den Nutzer*innen von ioki Hamburg. Weitere 61% kannten ioki Hamburg, hatten den Service aber noch nie genutzt. Lediglich 2% hatten zuvor noch nie von ioki Hamburg gehört. Unter den Nutzer*innen gaben 76% an, ioki Hamburg selten zu nutzen, 18% nutzten den Service an einem bis drei Tagen pro Monat, 2% waren häufige Nutzer*innen, die an einem bis drei Tagen pro Woche mit dem On-Demand Service unterwegs waren und immerhin 4% nutzte das Angebot täglich oder fast täglich.

Die Haushaltsbefragung zeigte einen klaren Zusammenhang zwischen der Nutzungshäufigkeit von ioki Hamburg und dem Besitz eines hvv Abonnements. Rund 70% der regelmäßigen ioki Hamburg Nutzer*innen sind hvv Abonnent*innen. Zudem ist es diesen Personen besonders wichtig, umweltschonende Verkehrsmittel zu nutzen. Im Alltag sind sie, laut Umfrageergebnis, gerne zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.

 

ioki Hamburg allgemein beliebt

Wie die Haushaltsbefragung zeigte, ist ioki Hamburg in Osdorf und Lurup allgemein sehr beliebt. Selbst die Gruppe der Personen, die den Service selbst nicht nutzen, gab an, dass sie ioki Hamburg grundsätzlich für eine gute Sache hielten. Bei den aktiven Nutzer*innen erfährt ioki Hamburg eine überwiegende Wertschätzung als Schlechtwetteralternative und als Mittel zur Zeitersparnis. Vor allem Frauen nutzen den On-Demand Service auch zur Verbesserung des Sicherheitsempfindens in den Abend- und Nachtstunden.

Besonders die Personen, die ioki Hamburg regelmäßig nutzen, bewerten den Service als bequem und komfortabel sowie als Erleichterung für die alltägliche Mobilität. In dieser Nutzer*innen-Gruppe ist auch eine häufige Kombination von ioki Hamburg mit Bus und Bahn erkennbar. Zum Teil kommt es sogar zu einer Verringerung der Pkw-Nutzung, weil stattdessen ioki Hamburg genutzt wird.

Diejenigen, die regelmäßig ioki Hamburg nutzen, nehmen den Service tendenziell eher als Autoersatz wahr, während die Personen, die nur seltene Nutzer*innen sind, das Angebot eher als Ergänzung zum Auto wahrnehmen. In beiden Nutzer*innen-Gruppen wird ioki Hamburg überwiegend als Ergänzung zum Bus und zum Fahrrad statt als Ersatz dieser Verkehrsmittel angesehen.

 

Mehr über ioki Hamburg

In den Hamburger Stadtteilen Osdorf und Lurup startete die VHH im Sommer 2018 das On-Demand-Angebot ioki Hamburg. Betreiber ist die VHH, die App kommt von ioki, dem Geschäftszweig der Deutschen Bahn für intelligente On-Demand-Mobilität. Im Herbst 2019 kam ein weiteres Bediengebiet für ioki Hamburg im Stadtteil Billbrook hinzu. Seit Dezember 2020 bietet die VHH in Ahrensburg sowie im Raum Brunsbek/ Rausdorf im Rahmen des Forschungsprojektes RealLab HH einen weiteren On-Demand-Service an. Das On-Demand-Angebot fährt unter einer Linienbuskonzession und ist in den bestehenden ÖPNV integriert.  ioki Hamburg gilt deutschlandweit als eines der Pionierprojekte für On-Demand-Mobilität im ÖPNV und wurde u.a. im Jahr 2019 mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet.

 

Weitere Studienergebnisse können hier frei zugänglich heruntergeladen werden:

Tyll Diebold, Felix Czarnetzki, Carsten Gertz: On-Demand-Angebote als Bestandteil des ÖPNV: Nutzungsmuster und Auswirkungen auf die Verkehrsmittelentscheidung in einem Hamburger Stadtrandgebiet